Waldgärten – ein Zukunftstrend im urbanen Raum

Von 10. bis 11. Oktober 2015 fand in Tulln das Symposium „Gardens of the Future – New Garden Spaces in Europe“ statt. Über einen neuen Trend informierte DI Dr. Karin Standler, Wien, in ihrem Vortrag „Waldgärten, neue Gartenräume der Zukunft | Forest Gardens – New Garden Spaces of the Future “

„La forêt au milieu des livres“ – ein Waldgarten Paris. © Dinkum, Wikimedia Commons

„La forêt au milieu des livres“ – ein Waldgarten Paris. © Dinkum, Wikimedia Commons

Waldgärten bieten die Möglichkeit einer gartenkulturellen Begegnung. Der Wald mit seinen essbaren Pflanzen wie z. B. Pilzen und Beeren, wird mit dem kultivierten Garten kombiniert. Wie sollen die Gärten der Zukunft aussehen? Wie kann man sie mit geringem Budget umsetzen? Waldgärten stehen für das „essbare Land“.

Waldgarten – Best Practice

Betrachtet man Gesamteuropa, so kommt man zu dem Schluss, dass die Idee des Waldgartens nicht ganz neu ist. Allerdings hat sie sich im deutschsprachigen Raum noch nicht so sehr durchgesetzt.

Expo Austria 2015 PERFORMANZ © TEAM.BREATHE.AUSTRIA

Expo Austria 2015 PERFORMANZ © TEAM.BREATHE.AUSTRIA

Als zeitgemäße Umsetzung des Waldgarten-Gedankens präsentierte die Vortragende den Österreich-Pavillon, der mit seinem Waldgarten auf der Expo 2015 in Mailand durch das angenehme Klima überzeugte. Die Temperatur lag in diesem Rekord-Sommer um durchschnittlich 6 °C tiefer als am umgebenden Expogelände.

Auch die Konradschule in Haar, Deutschland, hat in ihrem Schulgarten das Waldgartenthema beachtenswert umgesetzt – „Natur ist Teil des Verständnisses von Lernen“.
Der „Holma Forest Garden“ in Schweden ist ein Gemeinschaftsgarten, in dem das Waldgartenkonzept gemeinschaftlich umgesetzt wird.

 

Doch was macht einen Waldgarten aus und welche Vorteile bietet dieses Konzept im urbanen Raum? Waldgärten …

  • schaffen Flächen für den Klimaausgleich, die Produktion von Nahrungsmitteln und Energie
  • sind Freiräume für Neues und Experimentelles, für Ungewöhnliches und Überraschendes, für die Erprobung neuer Nutzungsmodelle
  • ihre Pflege, Nutzung und Gebrauch der Stadtlandschaft wird zum kulturellen Anliegen
  • die Kultur des Alltags mit ihren Konflikten, Bruchlinien und Kontrasten, mit ihren Bedürfnissen, Ansprüchen und Ideen rückt in den Mittelpunkt
  • sind Plattformen der Vernetzung verschiedener Lebens- und Erlebniswelten
  • bilden eine Herausforderung wirtschaftlicher Kompetenzfelder, die in der Stadtplanung neue gesellschaftliche Partnerschaften als tragfähige Zukunftsmodelle erproben können.

Die CPUL-Theory (Continuous Productive Urban Landscapes) steht für eine zusammenhängende, produzierende, urbane Landschaft sowie die Integration von verschiedenen Formen der Landwirtschaft in die Stadt. Urbane Landwirtschaft in der modernen Stadt als notwendige Infrastruktur zu begreifen und in städtebauliche Konzeption einzubinden ist ein wichtiger Aspekt der modernen Stadtgestaltung. CPULs verbinden Grün-und Freiräume aller Art, natürliche Habitate, ökologische Korridore, Verkehrsnetze für nichtmotorisierten Individualverkehr sowie FußgängerInnen und integrieren in diese multifunktionalen Freiräume als wesentlichen Bestandteil die urbane landwirtschaftliche Produktion.

In diesem Sinne baut man zurzeit an „Forest Garden“ – einer produktiven Stadtlandschaft in Wien XXI. Ziel des Projekts ist die Vernetzung von Orten und Stadtteilen über Grün- und Freiräume. So entsteht ein multifunktionales Grün- und Freiraumnetz, das sozial, ökonomisch und ökologisch produktiv ist. „Forest Garden“ ist eine der natürlichen Vegetation nachempfundene, künstlich geschaffene, auf menschliche Bedürfnisse abgestimmte Pflanzengesellschaft. Sie besteht aus vorwiegend ausdauernden Pflanzen mit einem direkten oder indirekten Nutzen für den Menschen. Lebensform-Typen und unterschiedliche Wuchsformen werden auf bestmögliche Art kombiniert, um positive Interaktionen und Stoffkreisläufe zu schaffen, sodass die Fruchtbarkeit und Stabilität selbst erhalten wird.

Der Waldgarten als neuer Freiraumtyp 

  • Neuer Typus eines öffentlichen Naherholungsraums für den urbanen und ländlichen Raum
  • Verbindung von Ökologie, Design und Nutzwert
  • Kreative Anwendung der Smart City Strategie im Freiraum
  • Teil einer urbanen Landwirtschaft
  • Nutzungsaspekt (essbar und nutzbare Gehölze)
  • Eigenverantwortung der Bevölkerung in der Pflege ist wichtig
  • Potential für die Vermittlung von Wissen über Pflanzen

Aspekte des Waldgartens

  • Hoher Erholungs- und Nutzungswert
  • Geringe Pflege- und Erhaltungskosten
  • Produktive Komponente (Ernte, Essbare Stadt)
  • Klimaschutz und Artenvielfalt
  • Innovative, vielfältige Nutzung
  • Einbindung der Bevölkerung, der NutzerInnen von Anfang an möglich

Der Waldgarten setzt sich aus unterschiedlichen Modulen zusammen. Diese unterscheiden sich in ihrer Pflanzenkombination. Durch leichte Veränderungen des Geländes, wie das Modellieren von Hügeln oder Senken, entstehen verschiedene kleinklimatische Standortbedingungen. Dies wirkt sich begünstigend auf bestimmte Pflanzenkombinationen wie mediterrane Pflanzen aus.

(Quelle: Vortragsmitschrift vom 10. Oktober 2015, Verfasser: Ing. Barbara P. Meister MA)

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Category: Aktuelles, Urban Gardening

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